Medienstandort Hannover – zu nordmedias „Beyond Hands on HD“ heimliches Zentrum der Filmbranche

Köln, Hamburg, Berlin, München – dies sind die Städte, die zumeist genannt werden, wenn von den relevantesten Medienstandorten Deutschlands gesprochen wird. Hannover taucht in den Köpfen der meisten Menschen in diesem Kontext nicht einmal unter „ferner liefen“ auf.

Dabei ist die niedersächsische Landeshauptstadt schon lange so etwas wie das heimliche Zentrum der Filmschaffenden. Sicherlich gibt es in Hannover kaum große Hollywood-Filmpremieren, bei denen sich Stars & Sternchen auf dem Roten Teppich präsentieren und bis auf den gelegentlichen „Tatort“ oder diverse Musikvideodrehs ist die Stadt als solches auch eher selten in großen nationalen oder internationalen Produktionen zu sehen.

BHOHD-WorkshopDennoch ist Hannover ein wesentlicher Standort der internationalen Filmindustrie, wie der Beyond Hands on HD Workshop & die Tagung 2013, die vom 8. bis 12. Juli 2013 in der Multi-Media Berufsbildende Schulen (MM Bbs, Expo Plaza 3, 30539 Hannover) sowie dem Planet MID auf dem Expo Gelände in Hannover stattfanden, wieder einmal eindrucksvoll bewiesen haben. Denn neben den Menschen, die in Verbindung mit Filmproduktionen primär im Rampenlicht stehen, wie Schauspieler und Regisseure, sowie mit Abstrichen manchmal auch Drehbuchautoren und Produzenten, gibt es noch eine weitere Kategorie von  Künstlern und „Handwerkern“, die in der Fertigstellung eines jeden filmischen Produktes eine wesentliche und unverzichtbare Rolle spielen: Kameraleute, Cinematographer sowie alle Kreativen aus den Bereichen Postproduktion und Visual Effects. Ohne diese Berufsgruppen könnte keine der aktuellen Hollywood-Produktionen existieren, dennoch führen diese kreativen Gruppen ein Schattendasein und werden so gut wie nie in Verbindung mit dem Erfolg der Filme erwähnt. Dies mag daran liegen, dass die Arbeit in der Postproduktion zumeist im sprichwörtlichen „stillen Kämmerlein“ stattfindet und damit naturgemäß schon nichts mit dem Glanz und Glamour, den die breite Öffentlichkeit mit der Filmbranche verbindet, gemein hat. Der Postproduktionssektor hat sich daher den treffenden Slogan „Unsichtbare Künstler – Sichtbare Kunst“ zu Eigen gemacht.

BHOHD-Henning-RaedleinDass mit Rohde & Schwarz DVS eine der führenden Postproduktionsfirmen ihren Sitz in Hannover hat und bereits 1985 hier gegründet wurde, ist außerhalb der Branche leider auch den wenigsten bekannt. DVS weckte schnell starkes Interesse Hollywoods an ihrer innovativen Technologie und so war es nur eine Frage der Zeit, bis DVS eine US-Niederlassung in Burbank bei Los Angeles gründete. Das Unternehmen nimmt seit Jahrzehnten eine Vorreiterrolle auf den unterschiedlichen Gebieten der digitalen Videotechnologie ein und entwickelte Produkte, die das Gütesiegel „welterst“ trugen – ein absolutes Alleinstellungsmerkmal von DVS. Im Laufe der Zeit hat DVS natürlich auch unzählige Auszeichnungen erhalten, darunter seit 2010 ein Eintrag in das angesehene Lexikon der deutschen Weltmarktführer, in welches DVS aufgrund seiner weltweit führenden Position im Bereich der professionellen digitalen Film- und Videotechnik aufgenommen wurde.

DVS ist aber nur eines von mehreren Beispielen dafür, dass modernes Film-Knowhow aus Hannover kommt. Mit Ambient Entertainment hat auch ein Unternehmen, welches sich auf Computeranimation spezialisiert hat und mit Filmen wie „Back to Gaya“ und „Konferenz der Tiere“ auf sich aufmerksam gemacht hat, seinen Sitz in Hannover.

nordmedia-CEO-thomas-schaefDies sowie die Tatsache, dass heute praktisch jeder Hollywood-Film mit DVS-Entwicklungen produziert wird, macht Hannover eben doch zu einem relevanten Medienstandort. Der ebenfalls weltweit einzigartige von nordmedia organisierte Beyond Hands on HD Workshop zieht Jahr für Jahr die Besten der Branche und den talentierten Nachwuchs für eine Woche nach Hannover, wo sich die Teilnehmer in verschiedenen Klassen mit den neuesten technologischen Entwicklungen im Bereich der Kameratechnik und der Postproduktion auseinandersetzen. Die Veranstaltung zählt zu den größten Events der nordmedia und wird unterstützt durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Wirtschaftsförderfonds Niedersachsen.Damit die Teilnehmer auch optimale Arbeitsbedingungen und den Zugang zu den neuesten Entwicklungen haben, sind natürlich viele Partner und Sponsoren vonnöten, die nordmedia jedes Jahr bei dieser Veranstaltung unterstützen, darunter u.a. die Kamerahersteller ARRI, RED und Blackmagic und viele mehr.

Beyond Hands on HD bietet aber nicht nur den einwöchigen Workshop an, sondern liefert mit der zweitägigen Tagung, die Donnerstag und Freitag stattfand, auch eine Plattform für Fachleute der Industrie an, über die neuesten Trends und Entwicklungen zu diskutieren. War im vergangenen Jahr noch 3D-Technologie der Trend schlechthin, so lautete das Zauberwort 2013 „4K“, womit die Bildauflösung gemeint ist. Interessant bei den Vorträgen, die von Experten  wie Peter Slansky von der Hochschule für Film & Fernsehen München oder Henning Raedlein von ARRI gehalten wurden, war vor allem, dass man sich zwar relativ einig war, dass 4K die Zukunft sei, 4K aber andererseits auch einen Haufen Probleme mit sich bringt. 4K-taugliche Displays herzustellen ist da das geringste Problem, da könnten schon die ersten Exemplare in diesem Jahr unterm Weihnachtsbaum liegen. Das Problem haben Broadcaster und Produzenten von 4K-Material. Nicht nur, dass die Datenvolumen, die durch Aufzeichnung und Bearbeitung von 4K-Material anfallen, nur schwer zu handlen sind, Kinobetreiber müssten ihre Säle kostenintensiv umbauen und auch TV-Sender von SKY bis ARD und ZDF müssten viel investieren, um ihren Kunden/Zuschauern 4K-Bilder liefern zu können. Die Experten rechnen damit, dass 4K frühestens 2017 eine Marktrelevanz bekommt. Eine Podiumsdiskussion am Freitag zeigte aber, dass man sich nicht mal innerhalb der Branche einig ist, inwieweit 4K überhaupt sinnvoll ist, denn um die 4K-Qualität überhaupt mit dem menschlichen Auge wahrzunehmen, bräuchte der Heimkonsument mindestens ein Display von 84 Zoll und muß auch noch möglichst dicht davor sitzen. Dies gilt auch fürs Kino. In derzeitigen Kinosälen wären allenfalls die ersten fünf Reihen in der Lage 4K zu sehen. Überhaupt kommt die bessere Bildqualität primär bei Standbildern zum Tragen, bei Kameraschwenks und Szenen mit viel Bewegung sind die Unterschiede zum bisherigen Standard marginal.

BHOHD-Lisa-MayDamit bot Beyond Hands on HD auch für kritische Diskussionen über Hypes und Trends viel Raum. Neben Vorträgen, Diskussionen und Workshops bot die Veranstaltung mit der Netzwerkparty am Donnerstagabend auch eine soziale Komponente, bei der man neue Kontakte knüpfen und entspannen konnte. Am späten Freitagnachmittag präsentierten die Workshops ihre Ergebnisse und damit endete die 2013-Ausgabe von Beyond Hands on HD. Aber nach der Veranstaltung ist bekanntlich auch immer vor der Veranstaltung, denn auch im Juli 2014 wird nordmedia wieder die „Unsichtbaren Künstler“ der Filmbranche nach Hannover holen und die niedersächsische Landeshauptstadt damit wieder zumindest für eine Woche zur heimlichen Filmmetropole Deutschlands machen.

Weiterführende Links:

www.nordmedia.de

www.dvs.de

www.ambient-entertainment.de

www.die-filmschaffenden.de

www.hff-muenchen.de

Text & Fotos: Steve Palaser

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