Anders und besonders – die „Hände Hoch“-Tour von Joachim Witt

witt08102015106NDW-Ikone Joachim Witt hat sich über seine gesamte Karriere hinweg als stets wandelbarer Künstler präsentiert, der nicht ständig die gleiche Rezeptur wiederholt, sondern sich immer wieder neu erfindet.

Seine „Bayreuth“-Trilogie ist komplett anders als „DOM“, welches einen völlig anderen Stil wie „POP“ hat und auch bei den beiden jüngsten Alben, die seine Discographie bereichern, hört man die Wandlungsfähigkeit des Altmeisters. Stand beim letztjährigen Album „Neumond“ noch die eingängige, clubtaugliche Elektronik im Vordergrund, haben die Stücke auf dem aktuellen Werk „ICH“ einen starken Songwriter-Charakter. Dies passt natürlich zum Inhalt, da „ICH“, wie der Titel bereits erahnen lässt, ein sehr persönliches, intimes Album geworden ist.

Entsprechend gestaltet sich die Setlist seiner diesjährigen Tour zum Album, die den Titel der ersten Single-Auskopplung „Hände hoch“ trägt, auch deutlich anders, als Konzertbesucher es von seinen letzten Touren gewohnt waren. Doch bevor der schlohweiße Reiter die Bühne betrat, durfte die Supportband Intrasonic das Publikum anheizen. Die australische Band, die inzwischen in Berlin beheimatet ist, bot gefälligen Industrial Rock, der klar von NIN, Zeromancer und Skinny Puppy beeinflusst ist. Bei einem Song übernahm sogar Keyboarderin Kira den Gesang, während Sänger Toby Craig sich in den Hintergrund zurückzog. Insgesamt hinterließ Intrasonic einen positiven Eindruck beim Publikum. Dennoch warteten alle in der Umbauphase gespannt darauf, was für eine Setlist Witt ihnen diesmal kredenzen würde.

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Mit dem Titelstück von „Neumond“, welches sich ideal als Intro eignet, betraten erst seine Live-Musiker und zuletzt Joachim Witt selbst die Bühne. Der in Ehren ergraute 66-jährige überraschte in der Tat mit seiner Setlist. Er startete zwar mit „Über das Meer“, dem Opener des aktuellen Albums und die Tracks der letzten beiden Alben bildeten den Schwerpunkt, viele Stücke waren aber eine interessante Mischung aus Songs von älteren Alben, die er zuvor nur sehr selten bis gar nicht live präsentiert hat.

Ob „Hundert Leiber“ von der „Bayreuth 3“ oder „Jetzt und Ehedem“ von der „Bayreuth 2“, ob „Zeit zu gehen“ von der „POP“ oder „Mut eines Kriegers“ von der „DOM“, für diese Tour hat er ausdrücklich nicht die Hits dieser Scheiben ausgewählt. In Verbindung mit den neuen Stücken wie „Tod oder Leben“ und „Hände Hoch“ ergab die Zusammenstellung aber ein in sich stimmiges großes Ganzes, welches letztlich mehr war als nur die Summe seiner Teile. Natürlich gab es auch einige Stücke, die einfach nicht fehlen dürfen, wie „Die Flut“ oder der „Goldene Reiter“, diese kamen aber erst am Ende, bzw. im Falle des Reiters in der Zugabe.

Und während er „Supergestört und superversaut“ zum Standardrepertoire zählt, gehört „Shut the Fuck up“ zu den Raritäten dieses Konzertes. Nach dem „Reiter“, der für gewöhnlich der krönende Abschluss eines Konzertes ist, war diesmal aber noch nicht Schluss, dank anhaltender Zugabe-Rufe kam Witt noch einmal mit dem „Herbergsvater“ auf die Bühne.

Es war ein besonderer Konzertabend für langjährige Fans, die hier auch einmal andere Titel live präsentiert bekamen, als die, die üblicherweise die Setlist schmücken. Dass Witt auch in seinen Ansagen ans Publikum äußerst unterhaltsam ist, dürfte hinlänglich bekannt sein und war nur das i-Tüpfelchen einer tollen Performance des Künstlers. Wer noch die Gelegenheit hat, ihn bei dieser Tour zu besuchen, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Setlist:

Neumond

Über das Meer

Hundert Leiber

Jetzt und Ehedem

Es regnet in mir

Zeit zu gehen

Frühlingskind

Tod oder Leben

Jetzt geh‘

Mut eines Kriegers

Hände Hoch

Unsere Welt

Strenges Mädchen

Gloria

Olé

Shut the Fuck up

Die Flut

Supergestört und superversaut

Goldener Reiter

Herbergsvater

Text & Fotos: Steve Palaser

Weiterführende Links:

Joachim Witt

Intrasonic

MusikZentrum Hannover

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